Mit Oma im Baumhaus

Wenn Oma von ihrer Kindheit erzählt hat, hörte ich immer schon mit glühenden Backen zu. Eine Kindheit am Land, in den 1930ern, was bedeutete das? Zum einen Arbeit, und davon nicht zu wenig. Bauernkinder wurden immer schon früh zur Arbeit eingeteilt. Im Volksschulalter mussten die Kleinsten bereits vor der Schule Milch ausliefern, mit einem kleinen Handkarren, später dann am Acker mithelfen, Einkaufen, Mähen oder Kühe melken.
Oma erzählte mir, dass all die Wege, die dabei zu bewältigen waren, zu Fuß unternommen wurden, wie auch sonst. Öffentliche Verkehrsmittel gab es am Land noch nicht und als Bauernkind konnte man froh sein, wenn mal irgendwann im Leben ein Fahrrad drin war – sicher aber nicht als Selbstverständlichkeit.

Trotz all dem fand meine Oma ihre Kindheit gut, viel Freiheit war da, neben all der Arbeit, erzählte sie. Man wurde weder auf dem Schulweg noch in der spärlichen Freizeit von den Eltern begleitet, die Kinder waren unter sich, konnten sich in einem großen Umkreis um das Dorf bewegen und ihre eigene Welt entwickeln. Auch wenn sich das für Mädchen eigentlich nicht gehörte, war Oma mit den Buben am Bach unterwegs und dort baute man zusammen ein Baumhaus. Und auch, wenn zum Spielen im Baumhaus wenig Zeit blieb, schien dieser Rückzugsort doch der schönste Ort für lange Zeit gewesen zu sein.

Warum bauen wir heute keine Baumhäuser mehr?
Es ist wirklich so, dass kaum mehr Baumhäuser von Opas oder Papas oder gar den Kindern selbst gebaut werden, einfach so. Warum das so ist? Nun, es gibt dafür einige Gründe, die durchaus einleuchtend sind:

• Aufsichtspflicht. Wenn Kindern, die allein spielen, etwas zustößt, hat das heute völlig andere Konsequenzen als früher. Kinder dann mit Werkzeug wie Säge und Hammer losziehen zu lassen, gilt heute als verantwortungslos. Man achtet also darauf, bei diesen Vorhaben einen Erwachsenen mitzuschicken.
• Engerer Lebensraum. Wo es früher im Wald unbewirtschaftete, verwilderte Abschnitte gab, ist heute viel mehr kontrolliert. Man kann nicht einfach in den Wald gehen und ein Baumhaus errichten – es gilt, zuvor die Genehmigung des Waldbesitzers einzuholen.
• Dichtere Bebauung. Heute wird enger bebaut als früher, auch auf dem Land. Es ist viel weniger Platz in der Natur und natürliche Bereiche, die nicht unter dem Einfluss des Menschen stehen, sollten geschützt werden – also kein Baumhaus.
• Die Gärten werden kleiner. Gärten bei Einfamilien- oder Mehrfamilienhäusern werden immer kleiner. Ein alter Baumbestand, der sich für ein Baumhaus eignen würde, fehlt meist.

Was also tun?
Alternativ zum Baumhaus eignet sich ein Spielturm oder Kletterturm. Diese im besten Fall aus unbehandeltem Holz gebauten Klettermöglichkeiten bieten Abenteuer pur für die Kleinen, und das im eigenen Garten, in Sichtweite für die Eltern.

Oma fand diese Alternative ziemlich cool, auch wenn sie meinte, dass man sowas ja erst mal kaufen müsse. Ganz klar – als Oma noch Kind war, wurde wenig Spielzeug eingekauft. Die meisten Spielsachen wurden – zumindest im bäuerlichen Umfeld – selbst gemacht und mussten mehrere Kinder, manchmal sogar Generationen „durchhalten“.

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